Viele Ideen für eine Fortsetzung

Das neue, größere Netzwerk hat funktioniert – die Jugendkulturwochen (JKW), die zum ersten Mal in Bad Königshofen und Mellrichstadt durchgeführt wurden und am Nordbayerischen Kunsthandwerkermarkt – Wochenende zu Ende gingen, waren aus Sicht von Bürgermeister Thomas Helbling ein großer Erfolg und gut gelungen. Das sagte er am vergangenen Freitag, als alle Beteiligten, das sind neben der Stadt Bad Königshofen die Museen, vertreten durch Museumsleiter Andreas Rottmann, die vhs Rhön und Grabfeld mit Leiter Klaus Schemmerling, das JuZ Bad Königshofen mit Sonderpädagogin Renate Knaut, Mitorganisator Thomas Hälker und Daniel Schreiber, zuständig für Flyer und Werbemaßnahmen.

Allen, auch den vielen ehrenamtlichen Helfern, die zum Gelingen beigetragen haben, dankte Helbling für die Unterstützung. Er sei oft angesprochen worden, habe E-Mails und sogar Briefe von Kurgastmüttern erhalten, die sich bedankt haben, dass sie an Veranstaltungen teilnehmen durften. Das konnte Renate Knaut bestätigen, die viele Anfragen zwecks Teilnahme erhielt von Stadtlauringen bis Sulzfeld und hinterher oft die Frage, ob es die Jugendkulturwochen in nächsten Jahr wieder gebe. Die Veranstaltung war eine tolle Werbung für die Stadt und es würden sich auch neue Dinge ergeben wie interessante Workshops und Themen, die man gern aufnehmen werde, berichtete Knaut. Als positiv sah sowohl sie als auch Klaus Schemmerling, dass es gelungen ist, gemeinsame Veranstaltungen durchzuführen wie die Grenzfahrt, bei der jeweils die Hälfte der Kinder aus Mellrichstadt und Bad Königshofen kam.

Andreas Rottmann freute sich besonders über den Zugang, den die Kinder und Jugendlichen auf diese Weise zu Kultur und Museen bekommen haben. Als mit rund 40 Kindern die Übernachtung im Museum durchgeführt wurde und ein tolles Rahmenprogramm die Teilnehmer begeisterte, ergab sich ganz von allein eine Führung durch das Haus, denn die Kinder waren neugierig geworden und fragten von sich aus, ob sie sich alles anschauen dürfen und ob es dazu Erklärungen gebe. Das sei besser als eine Führung anzusetzen, an der alle teilnehmen müssen, so Rottmann. Auch die Verbindung mit dem Kunsthandwerkermarkt bei mehreren Punkten, der Aufführung des im Theaterworkshop entstandenen Theaterstücks, der Fotoausstellung und des Verkaufs von Fingerfood am Museum, wirke bereichernd für beide Seiten. Die Teilnehmer hatten ein festes Ziel vor Augen und haben sich entsprechend angestrengt.

Auch Klaus Schemmerling zog ein positives Fazit. Beide Städte hätten durch das hochwertige kulturelle Angebot wieder ein wenig von ihrer Zentralitätsfunktion übernommen, fand er. Es sei schön, dass man hier einen gemeinsamen Weg gehen konnte. Die Eltern wollen, dass ihre Kinder die Freizeit möglichst sinnvoll verbringen und nehmen für bestimmte Veranstaltungen auch mal einen Fahrtweg auf sich. In Mellrichstadt standen alle Veranstaltungen der Jugendkulturwoche auch im Ferienprogramm der Stadt, was jedoch keine Konkurrenz mit den Angeboten der Vereine sein sollte, wie Schemmerling erläuterte. Die Vereine könnten vieles anbieten, was in der JKW nicht angeboten werden kann. Gelernt hat er auch, dass es wichtig ist, die Schwellen für die Kinder und Jugendlichen niedriger zu machen. Beim Anmelden sind viele Jugendliche sehr zurückhaltend. Sie entschließen sich mehr spontan zu einer Teilnahme.

Es gibt noch viele gute Ideen, die in die Tat umgesetzt werden können, wichtig sei jedoch eine feste Basis wie das JuZ, wo die Fäden zusammenlaufen, darüber waren sich alle Anwesenden einig. Schemmerling lobte die wichtige, sozialpolitische Arbeit, die im JuZ läuft und immer weitere Kreise zieht. Von ihrer Arbeit berichtete in diesem Zusammenhang Renate Knaut, die nicht nur Veranstaltungen plant und gemeinsam mit Mitarbeiterin Veronika Keim und ehrenamtlichen Helfern durchführt, sondern auch Ansprechpartnerin ist für Eltern, die über Probleme sprechen wollen, oder für Jugendliche, die Bewerbungen schreiben oder Formulare ausfüllen müssen.

Mehr als 500 Kinder und Jugendliche haben an den Veranstaltungen der JKW in Bad Königshofen und Mellrichstadt teilgenommen – das zieht Kreise. Inzwischen haben sich auch weitere Institutionen gemeldet, die gern dabei sein würden, wenn wieder sechs spannende Wochen für Kinder und Jugendliche mit einem anspruchsvollen Programm auf die Beine gestellt werden. Einiges könnte noch verbessert werden und es fehlt nicht an guten Ideen, darüber waren sich alle Beteiligten einig. Die Finanzierung des JuZ Bad Königshofen ab 2010 wurde ebenfalls diskutiert, Bürgermeister Helbling hofft, dafür einen Weg zu finden.

Quelle: Regina Vossenkaul

ZIMMERAU/EUSSENHAUSEN

Geschichte begreifbar machen

Kinder und Jugendliche beschäftigen sich mit der innerdeutschen Teilung
Wiekann man Kindern und Jugendlichen die Geschichte nahebringen? EinSpagat, denn einerseits muss Geschichte interessant aufbereitet seinund zum anderen muss sie so vermittelt werden, dass etwas hängenbleibt. Am erfolgreichsten ist der Geschichtsunterricht immer dann,wenn Geschehenes möglichst hautnah vermittelt werden kann. So geschehenbei der Grenztour im Rahmen des Ferienprogramm des Jugendzentrums ausBad Königshofen.

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Zuerst stand die Theorie der Geschichte auf dem Programm, dann ginges zur ehemaligen innerdeutschen Grenze und vor Ort hin zu Zeitzeugen,die die Überwindung der Teilung erlebt haben.

FOTOSERIE
Grenztour
Zimmerau 07.01.09

Ein straffes Programm, welches die Organisatoren für die neugierigenTeenager auf die Beine gestellt haben. Im Grenzgängermuseum in derSchranne konnte die Geschichte vor der Grenzziehung und während derTeilung verinnerlicht werden.
Andreas Rottmann, Leiter der Museen in der Schranne, zeigte denJugendlichen die Minen, die in einer Vitrine als mahnendeAusstellungsstücke den Besuchern noch heute eine gewissen Bedrohungvermitteln und die beim Betrachter Ängste auslösen können. „Stellt euchvor, ihr wollt euren Onkel oder Oma und Opa im Nachbardorf besuchen unddazwischen gibt es Minenfelder und ihr könnt nicht hin“. Ein Szenariodas über Jahrzehnte hinweg Realität war und das vom Museumsleiter denjungen Zuhörern anhand von Modellen und Exponaten näher gebracht wurde.
Noch können die Jugendlichen den Erzählungen von Andreas Rottmannnur schwer glauben schenken und auch nicht so recht nachvollziehen wassie hier hören, denn schließlich wurden sie ausnahmslos nach derWiedervereinigung geboren. „Warum durfte ich nicht zu meiner Tante,wann ich wollte?“, „warum konnte ich nicht überall hin fahren?“, „warumhaben mich Freunde überwacht?“. Viele Fragen, die von den Kindern nacheiner Bilderserie über die Entstehung der Grenze auf der Zunge lagen.
Weiter ging es in der Exkursion zum Bayernturm nach Zimmerau, wo einRundblick über das einst geteilte Deutschland möglich war. Dort wurdeden Grenztourbesuchern langsam bewusst, was es heißt, in seinerFreiheit eingeschränkt zu sein. Vormals laute Jugendliche wurden immerleiser und nachdenklicher und nach und nach wurden die Ausmaße derTeilung für die Grenzbesucher nachvollziehbar.
Endgültig überzeugt wurden die Ferienprogrammbesucher von denGrenzanlagen und dem Skulpturenpark „Deutsche Einheit“ in Eußenhausen.„Ich begreif das nicht, warum wir uns so etwas angetan haben und wiebrutal Menschen sein können“, erklärt Janina nachdenklich.
Renate Knaut, Leiterin des Jugendhauses in Bad Königshofen undHauptverantwortliche des Ferienprogramms, ist immer wieder begeistertvon den Grenztouren, die nachhaltig bei den Jugendlichen Eindruckhinterlassen und sie zum Denken anregen. Mitstreiter Andreas Rottmannund Thomas Hälker, die als Zeitzeugen Erlebnisse über dieWiedervereinigung vermitteln, sind von der Wichtigkeit derGeschichtsvermittlung überzeugt, die sozusagen „Live vor Ort“jugendgerecht serviert wird.
Ausgebuchte Touren geben den Organisatoren recht und vermittelneinen Eindruck über das Interesse der Jugendlichen an der deutschenGeschichte.


Kraut 2.0 ? was is das denn?


In den Vorstellungen über Deutsche im Ausland taucht immer wieder der Begriff „Krauts“ oder „Sauerkrauts“ auf. Neben dem Bild vom vermeintlich typischen Deutschen, für den Sauerkraut ein Nationalgericht ist, verbinden sich mit Sauerkraut positive wie negative Assoziationen von Bodenständigkeit und vom Leben in ländlichen Regionen. Der Begriff beinhaltet Vorurteile und freundliche Etikettierung gleichermaßen.

Als unser Projektvorhaben einer Gruppe von Jugendlichen vorgestellt wurde, hatte es noch keinen Namen. In der Diskussion um das Bild, das Jugendliche, z.B. in den USA, von Jugendlichen hier haben, war „Sauerkraut“ einer der ersten spontan genannten Begriffe. Gleichzeitig wurde klar, dass Sauerkraut nicht unbedingt zu den von Jugendlichen bevorzugten Lebensmitteln gehört bzw. etwas ist, das sie mehr vom Hörensagen als aus eigener Erfahrung kennen.

Was ist noch dran an den konservativen Vorurteilen über uns „Krauts“? Wie sieht sich die neue Generation der „Krauts“? Wie sieht sie IHRE Region – auch in Relation zu anderen Regionen in Deutschland, Europa oder auch der Welt?

Wer Jugendliche und junge Erwachsene in Rhön-Grabfeld fragt, wie sie die Umgebung, in der sie leben, empfinden, bekommt meist zunächst zu hören „Hier ist nichts los“. Auf nähere Nachfrage entsteht dann jedoch ein differenzierteres Bild, eine oft enge Verbundenheit zur Region, in der sie aufgewachsen sind, und eine große Bandbreite an individuellen, durch die eigene Lebenssituation und Zukunftsperspektiven geprägten Aussagen.

Mit „Kraut 2.0“ startet 2010 ein Projekt, bei dem es um die Fragestellung geht, wie Jugendliche und junge Erwachsene die Region Rhön-Grabfeld sehen und erleben – den Ort, in dem sie leben, den Blickwinkel auf ihr Umfeld und sich selbst. Der Begriff „Kraut 2.0“ ist dabei das Bild für die „Sauerkrauts“ in neuer Rezeptur bzw. in der Interpretation der Jugendlichen und ist angelehnt an das „Web 2.0“, das eine neue Generation des Internets mit einer veränderten Wahrnehmung und einer vermehrt interaktiven Nutzung beinhaltet.

Für das Projekt Kraut 2.0 sind Jugendliche und junge Erwachsene dazu aufgerufen, mit den unterschiedlichsten Darstellungsmitteln, z.B. Videos, Fotografien, Zeichnungen, Collagen, Interviews, Blogs, Webseiten usw., ihre individuellen Eindrücke, Sichtweisen und Erfahrungen vorzustellen. Dabei sind Jugendliche als Einzelpersonen wie als Gruppe gleichermaßen angesprochen. Hinsichtlich der Themen und Inhalte ist eine große Bandbreite denkbar und gewünscht. Die Ergebnisse sollen auf verschiedene Weise und an unterschiedlichen Orten der Öffentlichkeit präsentiert werden, u.a. im Internet und im Rahmen einer Ausstellung.

Neben einem Bild über den Lebensraum aus Sicht der Jugendlichen will Kraut 2.0 Jugendliche dazu animieren, ihre Umgebung bewusst wahrzunehmen. Dies kann z.B. durch Ausflüge zu verschiedenen Orten in der Region geschehen. Die Jugendlichen sollen angeregt und unterstützt werden, ihren Lebensraum zu dokumentieren, und sie sollen die Möglichkeit erhalten und lernen, ihre Erfahrungen zu präsentieren. Dies schafft Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Jugendlichen und deren Lebenssituation und eine Basis zum Dialog mit Jugendlichen auf aller Welt.

In verschiedenen Kursen und Workshops können die Jugendlichen verschiedene Techniken der Dokumentation und Präsentation lernen. Im Programm der Volkshochschule Rhön und Grabfeld bieten sich im kommenden Semester hierfür z.B. die Kurse „Einfach besser fotografieren für Jugendliche“ unter der Leitung von Thomas Hälker und „HTML for teens – Webseiten bauen wie die Profis“ unter der Leitung von Andreas Hofmann an. Die Museen in der Schranne veranstalten in den Pfingstferien zwei Exkursionen, die die Möglichkeit bieten, neue Eindrücke von der Region zu gewinnen und zu dokumentieren: eine Grenztour mit Besuch des Museums für Grenzgänger und von Orten, an denen die innerdeutsche Grenze war, und eine Archäologische Tour, bei der Restaurierung gezeigt und ein archäologisches Bodendenkmal besucht wird-

Weitere Workshopangebote und Aktionen sind in Planung und werden über die vhs-Webseite, die Tagespresse und Flyer angekündigt. Informationen über den Stand des Projekts finden sich auch unter www.krautzwonull.blogspot.com. Wer mitmachen möchte, kann sich dort melden, Fragen stellen und in Kürze auch eigene Beiträge einstellen. Nähere Informationen zum Projekt sind auch erhältlich unter krautzwonull@googlemail.com.

Kooperationspartner für das Projekt Kraut 2.0 sind die Volkshochschule Rhön und Grabfeld, die Museen in der Schranne, die Stadt und das Jugendhaus Bad Königshofen sowie die Künstlerin Christine Wehe-Bamberger.

TUT SELBST WAS!!!


Wettbewerb Europäischer Jugendkarlspreis

Der Wettbewerb Europäischer Jugendkarlspreis 2010 ist eröffnet!

Das Europäische Parlament (www.europarl.europa.eu) und die Stiftung Internationaler Karlspreis zu Aachen (http://www.karlspreis.de) laden junge Menschen aus allen Mitgliedstaaten der EU ein, an einem Wettbewerb zu den Themen Entwicklung der EU, europäische Integration und europäische Identität teilzunehmen.

Mit dem „Europäischen Jugendkarlspreis“ soll die Entwicklung eines europäischen Bewusstseins unter jungen Menschen sowie deren Teilnahme an Projekten zur europäischen Integration gefördert werden. Der Preis wird für von jungen Menschen durchgeführte Projekte verliehen, die zur Verständigung beitragen, die Entwicklung eines gemeinsamen Bewusstseins für die europäische Identität fördern und praktische Beispiele für das Zusammenleben der Europäer als eine Gemeinschaft liefern.

Der „Europäische Jugendkarlspreis“ wird jedes Jahr gemeinsam vom Europäischen Parlament und der Stiftung Internationaler Karlspreis zu Aachen verliehen.

http://www.charlemagneyouthprize.eu/view/de/introduction.html